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gaukeley Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 1.586

02.05.2009 09:44
#41 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
Was mir zu Jugoslawischen Zeiten auffiel, dass im Sommer wirklich in fast jedem Garten / Konoba / oder wo immer sich die Gelegenheit bot die Leute beisamen saßen und gesungen haben.
Jetzt in Kroatien fällt mir das gar nicht mehr so auf. Gibt's das nicht mehr oder habe ich einfach kein "Ohr" mehr dafür?
Kristina Offline

Mitgliedschaft beendet

Beiträge: 1.261

02.05.2009 09:57
#42 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
Zitat von petra1958
Eure Beiräge lesen sich wie gute Romane, sind spannend und teilweise auch rührend...
Ich freue mich über die rege Beteiligung und hoffe, noch viele "alte Geschichten" lesen zu können...
Da hast Du auch ein tolles Thema aufgegriffen. Damit hast Du total ins Schwarze getroffen...
Ich kann zwar nur für mich sprechen, aber ich denke sehr gerne an diese Zeit (die nicht immer rosig war) zurück,
auch wenn sich ab und zu mal ein Tränchen blicken lässt...
Meine Kindheit ist nun mal Jugoslawien gewesen. Egal was war...

Kati74 Offline



Beiträge: 447

02.05.2009 13:01
#43 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

Seit gestern sind mir noch einige Details eingefallen:
1. den Lederkoffer (der undicht war) den hatten wir auch!
2. blaue Müllsäcke drumherumgewickelt und man fiel in der Kravane gar nicht mehr auf!
3. die vielen "Dinar" nach dem Geldwechsel
4. die "Liebesbrücke" in unserem Dorf Senkovec (bei Cakovec) wo sich abends immer die Jugend getroffen hat (zum heimlichen Rauchen und knutschen!)
5. das verrückte Pferd von Pavel- das jeden Tag um 17 Uhr "Ausgang" hatte und immer auf unsere Fußballwiese lief (über alle Fahrräder die da lagen!)
6. für mich die SOMMERHITS/URLAUBSLIEDER: "New York, Rio, Tokio" (auf dem Walkman ewig in einer Endlosschleife gehört) und von A-HA: "Hunting high and low"
7. Das Festival von Split mit dem Lied was eine Seite vorhererwähnt wurde (= die Mark besucht den Dinar am Meer)Severina?
8. das Salzige popcorn (erst ma war es eckelig, aber seit dem Tag esse ich nur noch SALZIGES POPCORN!!!!)
9. die Promenade von Rabac (Istrien) wo dieser tolle Eisverkäufer war, der nicht einfach nur die Kueln reigeklatscht hat, sondern richtig artistisch war!!!
10. Mein Vater (der leider seit 1996 tot ist) wie er inmitten seiner Familie stand und erstmal palavert hat
11. ein Mann in Fiip Jakov 1989(hinter Zadar) wo sich folgende Begebenheit ereignet hat:

Da war eine von diesen kleinen Cevapcici Buden am Strand. Mein Vater fragte mich auf Deutsch was ich möchte, ich sagte Cevapcici und Pommes. Mein Vater bestellte dann in seiner Muttersprache meine Portion. Da tippte mir ein Mann von hinten auf die Schulter (ich war 15 Jahre alt) und sagte in perfektem Deutsch zu mir: "Ihr Vater hat aber schon gut jugoslawisch gelernt!" Worauf hin ich mich reckte und voller Stolz (eine meiner schönsten und klarsten Erinnerungen an meinen Vater!) sagte: "Mein Vater ist JUGOSLAWE!!"

Ich könnte ein ganzes Buch über dieses Land schreiben, und dennoch würde es nicht annährend das beschreiben können was auch wieder gerade in mir vorgeht. Deshalb sage ich nur: GOTT HAT EINEN BESONDERS GUTEN TAG GEHABT ALS ER DEN BALKAN SCHUF!!!

Cres Fan

Kristina Offline

Mitgliedschaft beendet

Beiträge: 1.261

02.05.2009 13:16
#44 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

Zitat von Kati74
7. Das Festival von Split mit dem Lied was eine Seite vorhererwähnt wurde (= die Mark besucht den Dinar am Meer)Severina?
Đurđica Barlović. War die erste Sängerin (vor Sanja Doležal) von Novi Fosili, bevor sie Solo weiter machte. Ist leider sehr jung verstorben (23.04.1950. Split - 26.08.1992. Zadar).

Ratibier Offline



Beiträge: 7.607

02.05.2009 14:40
#45 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
In Antwort auf:
Gibt's das nicht mehr oder habe ich einfach kein "Ohr" mehr dafür?

Ich habe auch schon ewig keinen Esel mehr gehört. Die haben sie auch alle verbannt,
dabei war das immer so geil, wenn der Esel nachts zu schreien anfing.

Wehe dem, der schon geschlafen hat. Da ist schon manch einer vom Schreck aus dem Bett gefallen

Dass es aber nicht mehr gesungen wird, finde ich echt Schade.

Zwar fällt das bei uns noch nicht so sehr auf, weil (meine) „singende“ Generation noch nicht (ganz) weg vom Fenster ist und wir im Dorf auch ne eigene „Klapa“ haben, so dass immer irgendwo „geprobt“ wird, aber die Jugend sitzt viel lieber mit dem Laptop im Café oder fummelt am Hany rum und verschickt SMS.

Ihr könnt mich jetzt Nostalgiker nennen, aber das war früher wirklich viel schöner.

Einfach auf die Mauer gesetzt oder auf ne Treppe, ein – zwei Flaschen Vino hingestellt, eine Gitarre von irgendwo herbeigeholt und die Party war perfekt
meistens bis zum Morgengrauen und keine Sau hat sich je darüber aufgeregt, obwohl die meisten im Dorf schon um 4 Uhr aufstehen mussten.

Heute flüstern die Deppen unten im Neubaugebiet schon um 23 Uhr auf ihren Terrassen, weil irgendwo in der Nachbarschaft irgendeiner schläft und das kotzt mich so an, dass ich schon gar nicht mehr hingehe, obwohl ich da unten 2 Cousins und ne Cousine habe.

Das dumme daran ist, dass sie alle aus Zagorje bzw. die eine aus Zagreb kommen und trotzdem so rumspinnen, dabei kann man in Zagorje nirgendwo 5 Min. in Ruhe sitzen, ohne dass irgendeiner zu singen anfängt und da regt sich keiner auf.

Man hat die Seele für ein paar Euro verkauft und alles dreht sich nur noch um diese doofen Touris

und deshalb wohne ich immer noch im alten Dorf. Auch wenn es dort inzwischen auch sehr eng zugeht ist die Freiheit wenigstens noch fast grenzenlos
und dass ist das, was ich an der YU wirklich gut fand und in CRO vermisse.

Der Pate Offline



Beiträge: 6.280

02.05.2009 14:57
#46 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
@ Ratibier
Das is noch nich soo schlimm.Ich kenns eigendlich auch so,das man Abends noch singt.Als ich in Vodice war,hat immer einer gespielt.In Orebic ham die sogar ne eingene Klappa,die,als ich da war,locker 3 mal geübt hat.....
In Pula singt die Nachbarschaft auch noch....bzw es is immer der Onkel meines Vaters,der da gröllt


kann sein,das ich auch nur Glück gehabt habe,das in Vodice und Orebic,noch so was gesehen/gehört hab....

roevernhole Offline

Mitgliedschaft beendet

Beiträge: 1.354

02.05.2009 15:01
#47 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

ich urlaube seit ewigkeiten in istrien und mir ist "tito-jugoslawien" noch gut in erinnerung und ich muß sagen vieles war damals besser. die leute waren herzlicher, nicht nur des geldes wegen, so wie heute meistens. es wurde nichts gestohlen. man konnte alles am strand liegen lassen und es war am nächsten morgen noch da. versuch das heute und du wirst dich wundern. von den preisen damals, natürlich in relation zu den damaligen einkommen gesehen, kann man nur träumen. damals hieß es gäste kommen ins land und heute heißt es geld kommt ins land.
die herzlichkeit die man heute erfährt hat in 90% der fälle einen rein finanziellen hintergrund. ausnahmen bestätigen die regel.
nationalstolz gab es damals auch aber die auswüchse die er heute teilweise annimmt waren damals nicht vorhanden. aber was soll's ist vergangen,vergessen,vorüber.
heute versucht man mit werbung und leeren versprechungen gäste ins land zu holen. damals kamen sie mit wesentlich weniger werbung der viel größeren freundlichkeit wegen.
jetzt werden sich wieder viele aufregen, aber heutzutage darf man ja nichteinmal über das wetter in kroatien schreiben ohne einen maulkorb umgehängt zu bekommen oder als feind des landes betrachtet zu werden.
in diesem sinne "hravatska je ljep"

Ratibier Offline



Beiträge: 7.607

02.05.2009 15:46
#48 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

@Sascha
Das habe ich auch nicht gemeint. Natürlich wird hin und wieder auch gesungen, aber nicht an jeder Ecke, wie vor 20-30 Jahren.

Ok, die Zeiten waren ganz anders und die Glotze wurde nach dem Dnevnik ausgemacht, weil es eh nix zum glupschen gab (JRT1+2 und basta)

aber wir (jüngeren) haben in dem Paradies gelebt. Die Menschen waren aufgeschlossen. Du konntest abends nicht weggehen ohne jemanden kennenzulernen oder in ne Clique zu landen. Sowas gabs einfach nicht.

Wenn ich mir heute die zwei Töchter vom meinem Cousin angucke, kann ich doch glatt Augen-Herpes kriegen.
Bis 14 Uhr im Bett liegen, dann wird gegessen, danach ein bisschen rumgehängt oder evtl. 1 Stunde am Strand gelegen.

Dann geht schon wieder die Schminkerei für den Abend los und dann schleichen sie den ganzen Abend mit ne Freundin durch die Gegend oder
wird, weil „nix los“ noch schnell nach Zrce gefahren und dann kommen sie morgens doch wieder alleine nach Hause.

Für mich ist das doch irgendwie krank, zumal das bildhübsche Mädels sind und dann auch noch notgeil wie ein Seemann
Ich verstehe die Welt nicht mehr.

gaukeley Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 1.586

02.05.2009 15:51
#49 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

In Antwort auf:
weil es eh nix zum glupschen gab

Dem kann ich nur bedingt zustimmen...
Ich habe (zumindest in den Osterferien) immer prima mein Englisch aufpoliert, weil ja grundsätzlich nix synchronisiert war!
Außerdem war es immer eine totale Gaudi in der Clique "Dinastija" zu schauen bevor es on Tour ging.

In Antwort auf:
Du konntest abends nicht weggehen ohne jemanden kennenzulernen

Absolut! Und ich habe wirklich irre/tolle Leute kennengelernt, mit denen ich heute z.T. noch Kontakt habe!

gaukeley Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 1.586

02.05.2009 15:52
#50 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

In Antwort auf:
In Orebic ham die sogar ne eingene Klappa

Das ist ja wohl auch eher für die Touris und nicht spontan aus Lust an der Freud!

Kristina Offline

Mitgliedschaft beendet

Beiträge: 1.261

02.05.2009 16:00
#51 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
@Ratibier

Auch wenn ich etwas jünger bin als Du, aber an die Zeiten kann ich mich auch noch gut erinnern. Wie ich schon ziemlich am Anfang geschrieben habe, haben wir Kinder uns immer im Park (Spielplatz) getroffen. Später dann "na igralistu". Damals gabs diesen ganzen Schnick Schnack noch nicht wie Playstation, Computer, dieses ganze elektronische Zeugs halt oder man konnte es sich schlichtweg nicht leisten. Wie oft haben wir uns abends getroffen, Maiskolben von fremden Feldern geholt, ein Grillfeuer gemacht und zusammen gesessen. Wir waren glücklich und zufrieden. Mehr brauchten wir damals nicht. Ach, war das schööön...

Der Pate Offline



Beiträge: 6.280

02.05.2009 16:23
#52 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
@ Ratibier

ja,das sagt mein Vater auch.In gewisser Hinsicht kann ich das auch nachvollziehen,das ihr Alten so denkt.Wenn du zurück denkst an diese Zeit,wird dir doch bestimmt einiges Einfallen,das ihr gemacht habt,was aber die Generation eurer Eltern ein Dorn im Augen/bzw unverständlich war.Ihr hattet auch andere Ansichten,Vewrhaltensweisen usw...

Früher musste man zu den Freunden laufen,wenn man was wollte.Dann kam das Telefon,also hat man davon gebrauch gemacht.Heute gibts halt noch mehr technischen Schnick Schanck.Es is auch viel einfacher ne sms zu schreiben,als irgendwo vorbei zu gehen.

Mein Vater bzw Mutter beklagen sich auch schon,warum ich keine feste Freundin habe.....Aus meinem Standpunkt aus kann ich das nich verstehen.

Naja vllt muss man diese Zeit echt selbst erlebt haben,um das zu verstehen......

Kristina Offline

Mitgliedschaft beendet

Beiträge: 1.261

02.05.2009 16:30
#53 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
Zitat von Der Pate
Früher musste man zu den Freunden laufen,wenn man was wollte.Dann kam das Telefon,also hat man davon gebrauch gemacht.
Telefon? Was war das? Ich kannte zu YU Zeiten nur drei Haushalte, die eins hatten. Meine Oma, unsere Pateneltern (beide wohnhaft in Zagreb) und bei uns im Ort nur eine Familie. Aber Er arbeitete damals auch bei der Post. Aber sonst? Nicht das ich wüsste...

Mrvica Offline

Mitglied im Kroatien-Forum

Beiträge: 995

02.05.2009 16:57
#54 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

Auf meinen Turen duchr Ex-Yu habe ich die unmöglichsten Leute kennengelernt.
Mit manchen habe ich immer noch Kontakt.
Bin ich irgendwo zum essen eingekehrt wurde ich meist gleich gefragt warum ich allein sitze und aufgefordert mich an den Tisch der Einheimischen zu setzen.Das war aber überall im Land so.
Damals hatte ich keinen blassen Schimmer welcher Volksgruppe die Menschen angehörten und es wurde auch nicht darüber geredet.Die Menschen hatten nicht viel,waren aber mit dem was sie hatten glücklich und zufrieden.
Und hilfsbereit waren die Leute.Wenn ich mich verfahren hatte und nach dem Weg fragte ,war meist sofort jemand da der mit seinem Auto vor fuhr um mich wieder auf eine Hauptstrasse zu lotzen.
Ein anderes mal ging mein Auto kaputt,an Ersatzteile war garnicht zu denken.Der Dorfschmied
arbeitete einen ganzen Tag um etwas zu improvisieren.Als ich ihn bezahlen wollte,wurde er ungehalten als ob ich ihn beleidigt hätte.War eine schöne Zeit die ich niemals missen möchte.
Gruß Mrvica

Claudia Offline



Beiträge: 5.337

02.05.2009 17:05
#55 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
Die Geschichte habe ich vor ein paar Jahren mal aufgeschrieben nach den Notizen meiner Reisetagebücher.
Die Freundin aus dieser Geschichte bekam sie zu einem runden Geburtstag.


Eine Zugreise 1979 nach Zagreb

Es ist Ende September und ich warte am Bahnhof in Stuttgart auf den Nachtzug, der mich nach Villach bringt. Ich reise meinem Mann nach, der in Zagreb seinem Freund beim Hausbau hilft und bin schon sehr neugierig, wie weit sie seit meinem letzten Besuch gekommen sind. Etwas traurig bin ich auch, es ist mein Geburtstag heute, und ich muss ihn auf einer langen Zugreise alleine verbringen. Hoffentlich habe ich angenehmere Mitreisende wie beim letzten Mal...........

Unweit von mir steht auf dem Bahnsteig eine junge kroatische Mutter mit zwei kleinen Kindern. Sie hat alle Hände voll zu tun und ich helfe ihr mit den vielen Gepäckstücken beim Einsteigen in den Zug. Meine Stimmung steigt erheblich, als ich feststelle, dass wir Plätze im selben Abteil haben. Ihr Name ist Maja und sie erzählt, dass sie zu ihren Grosseltern nach Kutina fährt. Wir freuen uns, dass wir den grössten Teil der Reise zusammen fahren können.
Der Zug fährt ab und es setzen sich keine weiteren Passagiere zu uns ins Abteil. Ah – viel Platz für uns vier. Wir packen unser Vesper aus und ich amüsiere mich, was Maja alles aus ihrer Tasche zaubert. Das Essen würde für eine ganze Kompanie ausreichen. Sie meint, die Reise ist lang und die Kinder haben immer Hunger. Wie wahr!! Später erzähle ich ihr, dass ich heute eigentlich Geburtstag habe. Sofort beginnt Maja in ihren Taschen zu stöbern und fördert strahlend eine Flasche Rotwein hervor. Eigentlich ist die Flasche für die Oma, aber ein Geburtstag ohne Fest ist kein Geburtstag! Und so trinken wir Rotwein aus Plastikbechern und freuen uns des Lebens. Der Schaffner kommt vorbei und amüsiert sich auch über unsere lustige Privatparty. Es ist schon spät, als wir endlich ein paar Stunden Schlaf bekommen.

Der Tag ist angebrochen und bald sind wir in Villach. Wir müssen umsteigen. Maja sagt, dass wir uns beeilen sollten, damit wir gute Plätze bekommen. Ausserdem müssen wir den richtigen Kurswagen finden, sonst landen wir in Split. Wir überlegen im Scherz, ob wir das machen sollen.
Geschafft – wir sind im richtigen Wagen, aber jetzt wird es enger. In den jugoslawischen Zügen waren die Abteile für acht Personen ausgelegt, nicht so wie in den deutschen Zügen für sechs. Aber wir haben Glück und sitzen am Fenster.
Ein älteres Ehepaar sitzt zu uns und sofort gibt es wieder Gesprächsstoff. Maja und ich schildern unsere Reisegeschichte und sie erzählen, dass sie nach Pula fahren um Urlaub zu machen. Ein älterer Mann sitzt zu uns ins Abteil. Er bringt einen Knoblauchdunst mit, der mir fast den Atem nimmt. Ich öffne das Fenster ein wenig. Maja grinst mich an. Bestimmt kann sie meine Gedanken lesen.

Endlich fährt der Zug ab. Unser nächster Halt ist in Jesenice. Die Stadt liegt unter einer Dunstglocke, die Häuser mit dem immer gleichen roten Staub bedeckt, den die Industrieanlagen verursachen. Ein geschäftiges Treiben und Gewimmel ist auf dem Bahnsteig zu beobachten. Der knoblauchduftende Mann stolpert über meine Füsse, reisst das Fenster auf und schreit über den Bahnsteig. Sofort kommt ein Junge mit einem Wagen angelaufen, auf dem ein dampfender Topf steht. Ich denke an Kaffee und frage Maja, was er verkauft. Kranjska Kobasica, antwortet sie, so ähnlich wie gekochte Bratwürste. Willst du welche essen, fragt sie. Ich lehne dankend ab. Schon alleine der Gedanke, am frühen Morgen solche Würste essen zu müssen, löst in meinem Magen eine Revolution aus. Mein Sitznachbar verspeist dennoch genüsslich seine Kobasica und ich sehe stur zum Fenster hinaus. Lieber nicht hingucken.

Der Zug fährt weiter über Kranj nach Ljubljana. Dort bekommen wir auf dem Bahnsteig endlich unseren heiss ersehnten Kaffee, solange die Kurswagen umgekoppelt werden.
Der Knoblauchdufter hat uns verlassen und das ältere Ehepaar auch. Maja und ich überlegen uns, wer wohl als nächstes zusteigen wird. Unterhaltung ist jedenfalls immer geboten. Aber wir bleiben alleine bis Litija. Dort gesellen sich vier Frauen zu uns. Eine davon hat einen grossen Käfig dabei, in dem zwei Hühner sitzen. Den stellt sie in den Gang vor das Abteil wobei sie unaufhörlich schimpft. Maja erklärt mir, dass sie heute nur zwei Hühner auf dem Markt verkauft hat und deshalb so ärgerlich ist. Ich kann den Ärger der Frau verstehen, aber ich muss mir trotzdem ein Grinsen verkneifen. Jetzt bin ich wirklich wieder in meiner zweiten Heimat angekommen. Drei Stationen später steigt sie unter Geschimpfe mit ihrem Käfig wieder aus. Jetzt meckern die drei anderen Frauen über die Hühnerfrau. Maja übersetzt wieder und wir müssen uns beide das laute Lachen verkneifen. Die Frauen packen Kuchen aus und drängen uns auch einen auf, Feigen und Nussstückchen sind drin. Lecker. Auch von dem selbst gemachten Holunderbeersaft müssen wir trinken.

Die Landschaft fliegt an uns vorbei, weite Felder mit Sonnenblumen und Getreide und immer wieder die Sava im Blick. Nicht mehr lange und wir sind in Zagreb. Ich bedauere schon jetzt, mich von meiner Reisegefährtin und ihren Kindern trennen zu müssen. Wir tauschen unsere Telefonnummern und versprechen uns, in Deutschland zu telefonieren. In Zagreb steige ich aus und winke dem Zug nach, bis er nicht mehr zu sehen ist. Das war eine wirklich schöne Zugfahrt. Jetzt nehme ich ein Taxi zum Bukovac. Bestimmt wartet dort schon ein Apfel- oder Kirschstrudel auf mich.

Übrigens, Maja treffe ich heute noch regelmässig. Wir lachen oft über unsere gemeinsame Zugfahrt.

LG Claudia

Paul V. Offline



Beiträge: 11

02.05.2009 17:41
#56 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

Für uns war das damals irgendwie unwirklich.

Schon an der Grenze dachte man verlässt Europa.

Das ganze System passte nicht zu der Schönheit Kroatiens.

Kristina Offline

Mitgliedschaft beendet

Beiträge: 1.261

02.05.2009 17:48
#57 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

@Claudia

Tolle Geschichte War sehr schön zu lesen.

gaukeley Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 1.586

02.05.2009 17:51
#58 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

Und am besten ab Jesenice nicht mehr zur Toilette müssen, oder?!

pino Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 7.228

02.05.2009 17:57
#59 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten
Uebersetzung fuer Twidy.

Marka -Dinar


D Mark kam zu Dinar am Meer und verlibte sich so sehr
und so wurde aus der D Mark und Dinar ein verliebtes Paar

In der Winter lernten die sich kennen,
sether konnten die sich nicht mehr trennen.

die wurden von Feuer und Falmme okupiert
D Mark hat sich unsterblich verliebt

Dinar kann schlecht ohne D Mark leben
Brieflich wollte er Ihr ein Beweis geben

D Mark,D Mark, ohne dich hat es fuer mich keinen Sinn
Komm zu mir ans Meer,ich zeig dir wie verliebt ich bin


PS:Uebersetzun ist nur Sinngemaess,
den Rest koennen sie sich denken,wie jede ander Idylle
kam Winter und es wurde wieder trist

Mir ist lieber etwas zu haben was ich nicht brauche, als etwas zu brauchen was ich nicht habe

Ribar Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 10.549

02.05.2009 18:03
#60 RE: Als es noch Jugoslawien war... antworten

Nicht zu vergessen, wie schön es war, als:

...man mal wieder stundenlang an der Tankstelle sein Auto in der unendlich langen Warteschlange vorwärtsschieben musste, um dann doch nur 20l Sprit zu bekommen.

...man(n) ständig schräg angequatscht wurde, nur weil man(n) mit 20 seinen Wehrdienst noch immer nicht abgeleistet hatte.

...man ab YU-Grenze, trotz einwandfreiem Verhalten im Strassenverkehr auf das Wohlwollen bzw. Korruptheit der Cop´s angewiesen war.

...man Zigeunerkinder einfach ohrfeigen musste, weil sie mal wieder die Aufkleber samt Lack vom Auto gekratzt hatten.

...man beim Tanken mit Argusaugen und Taschenrechner die (angeblich) getankte Spritmenge kontrollieren musste.

...man auch einem gewöhnlichen Postler ab und an tief in den Anus kriechen musste, nur weil man elementare Dinge erledigt haben wollte.

...und natürlich auch, wie man hilflos zusehen musste, wenn jemand seine Kinder oder Tiere brutalst verprügelte !

Jede Medaille hat zwei Seiten.....

Lieber einen Thun als nix tun!

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