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Dieses Thema im Kroatien-Forum hat 41 Antworten
und wurde 14.090 mal aufgerufen
  
 Sonstiges zum Thema Kroatien und Urlaub in Kroatien
Seiten 1 | 2 | 3
MikeK Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 9

25.05.2018 21:50
..so war´s früher dort antworten

Moin!

Dank der neuen "EU-DSGVO" kommen auch alte Foren wieder hoch, die ich mal besucht hatte.

Da ich schon vor 45 Jahren in "meinem" Yugoslawien und an der dalmatinischen Küste gearbeitet hatte, dachte ich mir, daß es doch vielleicht auch für junge Leute interessant sein könnte, wenn ältere Touristen oder RL´s hier mal erzählen, wie´s damals denn so war, als TITO noch regierte - und was so alles passiert ist !?

Wenn nicht, werden es ja die Postings zeigen.

Ich war in meinem ersten Einsatz als Reiseleiter für die TUI 1972 in Brela, im Hotel "Berulia", welches auch heute noch existiert und habe dazu noch die Gäste aus dem Hotel "Maestral" (gibt´s auch noch) betreut. Das Maestral war das bessere, vornehmere Hotel, mit vielen Individualtouristen, die mit dem eigenen Auto anreisten. Für mich waren das insgesamt immer so um die 300 Gäste, für die ich in den Jahren 1972 bis 1974 Verantwortung hatte.
Was mich gleich von Anfang an sehr störte war die Tatsache, daß die Leute an der Rezeption eine Sprache sprachen, wo ich NULL verstand. Und besonders,wenn die sich in meiner Gegenwart unterhielten, tuschelten und lachten - und ich wußte nicht, warum. Denn wir hatte in der Hochsommerzeit IMMER Überbuchungen, die ich als Reiseleiter ja irgendwie gradebiegen mußte.
Nun, im 1. Jahr ging alles ganz gut und glatt, ich hatte einen tollen Hotelier, den Matko D., der später dann in B-V sein eigenes Hotel mit Hilfe der TUI baute. Er war ehrlich und fair, was mich positiv beeindruckte und auch der Grund war, daß ich nicht nach einer Saison schon aufhörte.
Denn Reiseleiter ist kein Traumberuf! Denn damals verdiente ich 380.-DM im Monat, bei freier Kost und Logis. War aber auch IMMER ansprechbar für "meine" Gäste. Nur am Freitag nie, weil da der Transfer der Gäste vom Hotel zum Flughafen SPU (und v.v.) stattfand und ich mußte mit dem 1. Bus hin und mit dem letzten Bus zurück. Also von 05:30Uhr bis dicht vor Mitternacht...
In dem 1. Jahr ist mir ein netter Kellner aufgefallen, der nach dem Abendessen oft auch die Bar bedienen mußte. Bei Schlechtwetter in der Hotelhalle Nähe der Rezeption, bei Schönwetter unten in Poolnähe. Schon bald freundeten wir uns an und ich lernte die ersten serbo-kroatischen Worte.
Für mich eine Sprache für Halskranke, ähnlich wie das Holländisch, aber gaaanz anders! Welcher Deutsche kann denn schon Worte sagen, wie HVALA oder Vrt oder Smrt? Auch gab es sehr ähnliche Worte wie Kosiza (kleiner Ort im Biokovo oberhalb Makarska) und Gusica (der Hintern) oder Worte, die 2 Begriffe haben, wie Magarac (Esel und Arsch)
Aber ich mühte mich und lernte oft die Sprache während der Fahrt beim Bustransfer, denn der dauerte immer gut eineinhalb Stunden. Minimum.
Aber auch in der Praxis, z.B. im Umgang mit den Busfahrern, denen ICH ja sagen sollte, wohin sie fahren müssen. Oder am entweder zu kalten, zugigen oder viel zu heißen Airport in Split, wo ich mit den dortigen Angestellten klar kommen mußte. Aber das Gute war immer, daß wohl 90% derer, die dort im Tourismus arbeiteten Deutsch, Englisch oder Französisch konnten. So war ich nie ganz verloren, mit meinen paar-20-Jahren...
Im 2. Jahr dann traf ich ETA, ein nettes Mädel aus dem Nachbarort, die kaum Englisch und noch weniger Deutsch kannte. Aber wir mochten uns gleich und so verbrachte ich gern Zeit mit ihr, auch der Sprache wegen. Denn mein Vater sagte mir mal, daß man am Besten eine Sprache auf dem Kopfkissen lernen kann.
Wir "Männer unter uns" hatten nämlich eine Art "Jugendsprache". So sagten man zueinander beispielsweise: "hotsiš cigara?" (willste ´ne Kippe), wenn man seinem Gegenüber eine Zigarette anbot. Eta aber korrigierte mich gerne: "hotsiš li jednu cigaretu?" (möchtest Du eine Zigarette rauchen?). So lernte ich Kroatisch "by doing"...

So weit für jetzt! Mal sehen, ob alte Geschichten interessant sind und ob vielleicht auch Leute hier sind, aus alten Zeiten, die Geschichten erzählen möchten ??

Bin mal gespannt...

Vidimo se drugi put...

hadedeha Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 4.810

25.05.2018 22:26
#2 RE: ..so war´s früher dort antworten

Hallo Mike,

danke für Deine Geschichten aus "alten Zeiten".
Ich selbst bin auch seit gut 40 Jahren in YU und den daraus entstandenen Staaten unterwegs.

Zitat
Wir "Männer unter uns" hatten nämlich eine Art "Jugendsprache". So sagten man zueinander beispielsweise: "hotsiš cigara?" (willste ´ne Kippe), wenn man seinem Gegenüber
eine Zigarette anbot.


Das galt nicht nur für Männer. Ich habe sowieso nie verstanden, wie das Wort "cigar" Synonym für Zigarette (cigareta) sein konnte. Das war eben echte Umgangssprache.

Ich denke schon, dass der Einsatz als Reiseleiter in den 70er- und 80er-Jahren eine Menge Idealismus verlangte. Eine Bekannte hatte ich, die auf Lopud den Job machte. War für sie wohl immer sehr spaßig, morgens mitten in der Nacht zum Flughafen Dubrovnik zu pilgern, um die Gäste abzuholen.

Auf jeden Fall Hut ab, dass Du die ganze Zeit positiv in Erinnerung hast.

Und jetzt bin ich neugierig? Was ist aus ETA geworden?
Fährst Du noch gerne nach Ex-YU und wenn ja, wohin? Kroatien oder auch andere Länder? Hast Du heute noch das gleiche "Lebensgefühl" wie damals in Ex-YU? Würde mich interessieren zu hören.

Luke Skywalker Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 147

25.05.2018 23:09
#3 RE: ..so war´s früher dort antworten

Ja Mike, erzähl weiter

Vera Offline

Moderatorin im Kroatien-Forum


Beiträge: 36.684

25.05.2018 23:13
#4 RE: ..so war´s früher dort antworten

Genau...bitte mehr! Warst du seit damals wieder an der Makarska Riviera und besonders in Brela?

________________________
Meine Fotogalerie

Chris Offline

Moderatorin im Kroatien-Forum


Beiträge: 24.981

26.05.2018 09:46
#5 RE: ..so war´s früher dort antworten

Wunderbar! Auch ich möchte mehr lesen Hier stehen auch schon viele Erinnerungen an ganz früher, wenn du mal schauen willst

Als es noch Jugoslawien war... (55)

prati Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 4.522

26.05.2018 11:49
#6 RE: ..so war´s früher dort antworten

Solche Berichte sind immer interessant. Also bitte mehr davon.

skipperjames Offline

Mitglied im Kroatien-Forum

Beiträge: 380

26.05.2018 14:16
#7 RE: ..so war´s früher dort antworten

Moin Mike,
auch ich möchte mich dem geforderten gerne anschließen!

Liebe Grüße
Hans

MikeK Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 9

27.05.2018 01:26
#8 RE: ..so war´s früher dort antworten

Moin! Schön, daß die alten Geschichten Interesse finden...

Nun, da ich ja in meinen RL-Einsatz geflogen war -ich mußte vorher erst mal in die Weltkarte schauen, wo Jugoslawien eigentlich liegt- hatte ich, der ich schon mit 17-einhalb Jahren Auto fahren durfte, kein Auto dabei. Die endlosen Fußmärsche in BRELA, auch bei 42C Grad vom Berulia zum Maestral zu meinen "Sprechstunden" wurden mir bald zu viel und so hat mir mein (neuer) Freund IVO wie selbstverständlich sein Auto geliehen. Einen 600-er Fiat (ein Zastava 750, Spitzname ist heute noch "Fićo", war ein Kleinstwagen, der von 1965 vom jugoslawischen (heute serbischen) Autohersteller Zastava gebaut wurde, ein Lizenznachbau des Fiat 600) mit "Selbstmördertüren", aber in der Zeit ein echter Flitzer! Mit dem konnte ich dann auch meine "Sprechstunden" in IGRANE abhalten, was gut 20 Minuten mit dem Auto südlich von Baska-Voda entfernt war. Ich brauche nicht zu sagen, daß mir die TUI keinen Pfennig für meine Fahrtkosten erstattete, ich hätte ja mit dem Linienbus fahren sollen. Das hätte aber dann hin und zurück gute 4 Stunden gedauert, darum war der Fićo für mich ein Geschenk des Himmels !
Sinn dieser Sprechstunden war, die TUI-Gäste zu informieren. Über das Hotel, Essenszeiten etc., Reklamationen entgegen zu nehmen und -natürlich- abzustellen, über Land und Leute und letztendlich über die Abholzeiten zum Bustransfer zur Rückreise. Wir entwarfen damals auch unsere Infomappen selbst, liebevoll mit irgendwo ausgeschnittenen Fotos oder Fotos aus Zeitungen, Katalogen, etc. versehen. Von der Firma hatten wir eigentlich nix erhalten, auch keine Schulungen oder Landeskunde. ALles, was wir weitergeben konnten, mußten wir uns in Eigenerfahrung erst mal selbst aneignen oder wir nutzten die Erfahrungen der "eingeborenen" Reiseleiter. Meist waren das Serben (Yugoturs) oder Kroaten (Herti/Kaufhof/Glücksreisen) aus dem Hinterland, aber auch deutsche Kollegen von NUR. Oft trafen wir Reiseleiter uns abends an der Bar, um Neuigkeiten, Tipps und Tricks und gemachte Erfahrungen auszutauschen. Das klappte bestens und machte uns, trotz sehr unterschiedlicher Firmen, zu guten Freunden.
Hier muß ich den VEDRAN aus Makarska besonders erwähnen, er wurde mein 2. guter Freund. Er war ein begnadeter Sopran, der im Männerchor "Klapa SRDELLA" die höchsten Töne sauber singen konnte, der Zahnarzt von Makarska sang den tiefsten Bass, den ich je hörte.
Ach-ja... Diese Abende, wo die 6-8 Mann-Kapelle mit einer Mandoline ins Hotel kam und diese besondere Musik auf der Terrasse machten... Das habe ich sehr geliebt! Besonders an Abenden, wo der Wind vom Biokovo (Gebirge) ins Tal wehte und der Duft der Fichten sich mit dem Geruch des Weines am Tisch vermischte - in lauen Hochsommerabenden, wo die Mauern noch lange wie Heizkissen die Hitze des Tages abstrahlten. Dazu hatten wir vorher das Abendessen gehabt, vom Koch hausgemachte Cevapcici oder Pleskavica, zusammen mit dieser (hab´ den Namen vergessen) roten Tomaten-/Parprikasoße und viel CIPOLLA (Zwiebeln)... Eher selten gab´s Fisch, obwohl es seinerzeit noch genügend davon in der "blauen Adria" zu fangen gab.
Mein absolutes Lieblingslied war "MARIANA", wenn das noch jemand von Euch kennt. An 2. Stelle das dalmatinische Lied "Lipa li si Mare moja", was ich schon bald immer lautstark in
2. Stimme mitsingen konnte, ohne überhaupt zu wissen, was ich da singe. Aber ich hatte den Text phonetisch gut drauf und wurde dann immer kurzzeitig Teil des 4 oder 5-stimmigen Männherchors...
Aber es war auch der Sinn der "Sprechstunden", den Gästen Ausflüge zu verkaufen. Das war ein -wichtiger- Teil meines Einkommens! Schon bald lernte ich, welche Ausflüge ich wie anzusagen hatte, um mehr als nur Interesse bei "meinen" Gästen zu erwecken und im 2. Jahr fing das schon früh und auch sehr gut an. Von den Provisionen konnte ich schon bei Zeiten einen guten Teil zurück legen. Da wir damals die Provisionen (leider) in DINAR von unserer Agentur DALMACIJA TURIST ausbezahlt bekamen, wurde ich schnell auch routinierter Geldwechsler, denn was sollte ich mit Dinars in Deutschland anfangen??
Natürlich begleitete ich anfangs jeden Ausflug, um Land und Leute kennenzulernen. Das waren z.B. die klassischen Bustouren nach Dubrovnik und Mostar. Mostar mochte ich! Oft stand ich auf der "STARI MOST" (Alte Brücke), die den NERETVA überspannte. Der Fluß war an der Stelle gute 30 Meter breit und der höchste Punkt der Brücke 20 Meter über dem Wasserspiegel. Die MOST, die namensgeben für MOSTAR war, war zur Zeit ihrer Erbauung 1566 ein Meisterwerk der damaligen Ingenieurbaukunst. Die Brücke gilt seit Jahrhunderten als die symbolische Brücke zwischen Ost und West, nicht nur zwischen der Welt des Christentums und der islamischen Welt, sondern auch zwischen den katholischen Kroaten und orthodoxen Serben. Die Brücke wurde, wie wir wissen, 1993 sinnlos im Bosnienkrieg zerstört, später aber wieder wiederaufgebaut.
Hier waren wir immer bei einer moslemischen Familie, die sehr rundliche Frau des Hauses servierte den Touristen gern ROSENWASSER, um natürlich danach ihre Souvernirs verkaufen zu können, was meist auch gut klappte: diese besonderen, farbigen Teppiche oder Tischläufer, alte Spinnräder und verrostete alte Bügeleisen, die man mit heißen Kohlen füllte. Aber auch handwerklich hergestellte Dinge aus Holz, wie z.B. diese "süüüßen" Esel...
Gern nahm ich mir Zeit, den Brückenspringern zuzusehen. Da der Neretva recht kalt und die Brücke doch schon gut hoch war, war das Springen nichts für jeden. Aber es gab immer ein paar Furchtlose, die von der Brückenmitte sprangen und dann schnell wieder aus dem Wasser und zurück auf die Brücke kamen, um ein paar Mark von den staunenden Zuschauern zu erhalten. Auch ich habe 2x auf dem Brückenkopf gesessen, dem steinernden Geländer, und wollte runter springen. Die Jungs hatten gelacht, mir aber genau erklärt, wohin ich springen sollte, um mich nicht an dem einen Felsen halblinks im Wasser zu verletzen. Aber je länger ich da saß, desto tiefer wurde die Kluft zwischen mir und dem Fluß. Und 2x habe ich nach 10 oder 15 Minuten aufgegeben. Ich bin zwar eine Wasserratte, aber kein Trumspringer!
Aus dieser Tradition hat sich heute leider ein Geschäft entwickelt, man muß den Springer vorher bezahlen, sonst springt er nicht!
Andere Ziele waren dann SPLIT oder KRKA Wasserfälle, PRIMOSTEN oder eine Fahrt mit diesen russischen Tragflächenbooten nach KORCULA oder HVAR. Oder Flugausflüge nach Athen! Ich habe den natürlich (nach Anweisung der Zentrale) auch gern mitgemacht, aber echt nur 1x. DAS waren wohl der längste Ausflüge meines Lebens. Morgens um 05:30Uhr Abfahrt mit dem Bus nach SPU, Flug nach ATH, Stadtbesichtigung etc., irgendwo Essen, Tansfer zurück zum Flieger, Flug nach SPU und dann per Bus zum Hotel. Eigenartigerweise habe ich diesen Ausflug gut verkauft und mich immer gefragt, warum Leute in Jugoslawien Urlaub machen und sich so einen "Ausflug" antun, statt im nächsten Jahr mal Urlaub in Griechenland zu machen...
Aber es gab noch einen Ausflug, den ich -sehr- gut verkaufte, nämlich das FISCHPICKNIC ! Dazu holte uns gegen 9Uhr das ganz aus Holz gebaute, einmastige Motorschiff "TURIST" direkt am Hotelstrand von der Mole ab und schipperte uns nach Gegenüber, der Rückseite der Insel BRAC. Hier hatte jemand eine kleine Strandhütte etwas erhöht erbaut, inmitten der Weinfelder, davor ein großer Holzkohlegrill, auf dem immer viele handgroße Sardellen gebraten wurden. Dazu gab es leckren, frischen Salat, den die Hotelküche vor dn Passagieren an Bord gebracht hatte. Und dazu gab´s auch noch den eigenen, selbstgemachten Weißwein aus großen Glasdemions, die mit Weidenholzästen umwickelt waren. Obendrauf am Ausguß prangte ein dicker, schwärzlicher Korken. Und diesen Wein gab es gleich nach Abfahrt, nachdem die erste Runde Slivovitz, der allseits bekannte Pflaumenschnaps-Likör jedem Gast gereicht war. So kamen die ersten Gäste schon beduselt am Ziel an... Unterwegs haben der Kapitän und der Maschinist eine 100 Meter lange Angelleine im Meer versenkt, um die auf der Rückfahrt dann wieder zu entern und den Gästen zu zeigen was so in der Blauen Adria alles schwimmt:
Am Ziel ging die Dreier-Mannschaft vom Boot zur Hütte, bereitete das Essen vor, deckte die Tische - während die Gäste im herrlich glasklaren Wasser badeten. Direkt vor der Hütte
mit - und etwas weiter links gänzlich ohne Badeanzug. Manche hatte´n auch Schnorchel und-so mit, andere setzten sich lieber hoch und versenkten den wohlschmeckenden, aber recht starken Weißwein in sich. So waren manche schon blau, wenn der Fisch fertig gegrillt war und wir mit dem Essen begannen.
Auf der Rückfahrt dann wurde die Angelleine eingeholt, es fanden sich Katzenhai, Knurrhahn und andere Fische an der Leine und ich habe dem Kapitän sehr schnell abgewöhnt, den Haien die Rückenflosse abzuschneiden, bevor er sie wieder über Bord warf. Ich kenne dieses Tun. Es kommt aus den historisch gewachsenen Angst der Seeleute vor Haien, als Hamburger bin ich ja selbst schon als 3-jähriger gesegelt und lernte viel Maritimes von meinem Erzeuger. Aber Tierquälerei ist nicht mein Ding und schon kurz Zeit später gin´g alles heil und lebendig wieder ins Meer zurück, was man nicht essen konnte oder wollte.
Diesen Ausflug habe ich oft, sehr oft mitgemacht. Und wenn an der Angelleine mal eine Languste hing, seltend aber doch, habe ich mir diese "schenken lassen" und nach der Rückfahrt dem Koch gegeben der immer was s e h r Leckeres daraus machte!
Aber auf der Rückfahrt gab´s oft Ärger mit den Besoffenen. Einmal kletterte einer volltrunken auf das Steuerhaus und drohte, aus der 3-Meter-Höhe nach vorn auf die gußeiserne Ankerwinde zu fallen, ein anderes Mal ist einer beim Anlanden zwischen die Mole und dem sich draufzu bewegenden Schiff gefallen, der Matrose konnte grad noch das Boot mit letzter Kraft abstoßen, so daß der Mann nicht zerquetscht wurde. Und von den vielen Leuten, die in der Sommerhitze dem Slivo und Wein viel zusprachen und anschließend die Fische fütterten, will ich gar nicht weiter reden!
Aber ich war ja auch manchmal gut mit dabei! So hatte ich mal eine Tour mitgemacht, wo der Kapitän seinen selbst gemachten Wein mitbrachte. Ein Roter von SUMARTIN, einem Ort auf BRAC, der extrem süffig - und auch stark war. Ich war nach Rückankunft eigentlich "knülle", mußte aber noch nach IGRANE zur Sprechstunde. Als ich auf dem Hotelparkplatz, wo ich derweil schon "meinen eigenen" Parkplatz hatte, den "Fićo" aufschließen wollte, konnte ich mich nicht für das eine der 3 Türschlösser, die ich so sah, entscheiden. Da kam MICHAEL aus Makarska zufällig vorbei. Ein Mann der Kriminalpolizei, mit dem ich derweil gut bekannt war, denn er gehörte zu der Clique, in der ich mit IVO und Freunden oft zusammen war. Michael nahm meinen Schlüssel, öffnete die Tür und meine nur: "...und fahr langsam, mein Freund!"
OK - ich fuhr langsam....

So, nu´ erst mal "gute NachT!"

Vidimo se drugi put...

Kirsten Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 1.776

27.05.2018 06:51
#9 RE: ..so war´s früher dort antworten

Du schreibst echt schön, Danke dafür. Da kommen auch bei mir alte Erinnerungen wieder hoch.
An die Alkoholgeschichten von früher kann ich mich noch gut erinnern. Für meine Eltern war es damals (Ende 70er) völlig selbstverständlich, nach freuchfröhlichen Abenden bei alten Freunden in Omiš laut singend (Dobra ti večer mati moja...) mit uns Kindern hinten drin nachts die Magistrale entlang nach Staniči zu eiern, wo unser Boot lag und wir ein Zimmer hatten. Wenn sie heute daran denken, stehen ihnen die Haare zu Berge...
Wir Kinder streiften derweil nachts durch die Stadt und versuchten, den Melonenhändlern, die damals noch Riesenmelonenberge am Straßenrand aufgebaut hatten, eine Melone zu klauen. Das gelang uns allerdings nie. Manchmal bekamen wir ein Stück geschenkt, dann saßen wir auf dem Kantstein und spuckten die Kerne auf die Straße.
Ich kann mich gut erinnern, daß man die Dalmatiner damals viel singen hörte, mehr als heute, scheint mir. Immer, wenn die Erwachsenen irgendwo zusammen saßen, wurde heiß über Politik diskutiert, bis einer anfing zu singen. Und wir alle sangen lauthals mit, ohne groß zu verstehen, genau wie du damals.
Erzähl bitte weiter!

skipperjames Offline

Mitglied im Kroatien-Forum

Beiträge: 380

27.05.2018 11:20
#10 RE: ..so war´s früher dort antworten

....dein Schreibstil hat was, bin gespannt wie es weiter geht!-

Es war 1987 in der " Schinkenbucht" auf RAB,wir kamen so gegen 18 Uhr in die Bucht um dort etwas zu Essen & zu Trinken!
Wir waren schon einige male dort, bevor wir zu unseren Ferienwohnungen zurück fuhren.
Aber an diesem Abend war alles anders. Auf der Terasse in einer Ecke saßen einige Fischer zusammen. Sie waren schon GUT drauf,
es standen große Gefässe auf dem Tisch mit Wein, gegessen haben sie gemeinsam aus einem großen Topf.-
Ganz plötzlich fingen sie an zu singen, ein, zwei Lieder um dann weiter zu essen/trinken!
Wir applaudierten, die anderen Gäste machten mit.
Spontan ließen wir ein Gefäß, mit gleichem Inhalt an den Tisch bringen, sie bedankten sich mit dem Lied "MARIANA", auf Wunsch sangen sie es
ein zweites mal, wieder mit großem Applaus....irgendwie hatte es etwas, die Umgebung und der Wein trugen wohl dazu bei.-
Es verging eine Weile, dann folgte der Höhepunkt dieses Tages, bis heute unvergessen!!
Ein kleiner unscheinbarer Mann, aus dieser Fischergruppe, mit zerrissenen Hosen (war damals noch nicht modisch ) keine Haare, keine Zähne, stand auf,
und sang akapella " O sole Mio "..........GÄNSEHAUT PUR!!!
Er hätte es mit Caruso auch im Duett singen können, eine begnadete Stimme, und unvergesslich!!

hadedeha Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 4.810

27.05.2018 11:27
#11 RE: ..so war´s früher dort antworten

Ich muss mich anschließen. An Dir ist ein Schreiberling verloren gegangen. Macht Spaß, Deine Geschichten zu lesen.

Chris Offline

Moderatorin im Kroatien-Forum


Beiträge: 24.981

27.05.2018 12:14
#12 RE: ..so war´s früher dort antworten

Einfach nur schööön! Es macht irre Spaß, auch von euch anderen noch zu lesen!

Zitat von MikeK
Auf der Rückfahrt dann wurde die Angelleine eingeholt, es fanden sich Katzenhai, Knurrhahn und andere Fische an der Leine und ich habe dem Kapitän sehr schnell abgewöhnt, den Haien die Rückenflosse abzuschneiden, bevor er sie wieder über Bord warf. Ich kenne dieses Tun. Es kommt aus den historisch gewachsenen Angst der Seeleute vor Haien, als Hamburger bin ich ja selbst schon als 3-jähriger gesegelt und lernte viel Maritimes von meinem Erzeuger. Aber Tierquälerei ist nicht mein Ding und schon kurz Zeit später gin´g alles heil und lebendig wieder ins Meer zurück, was man nicht essen konnte oder wollte.



Hab ich doch grad ein Buch über dieses grausame Thema gelesen, bisher wußte ich nicht davon, gut, dass du es erwähnt hast

Richie Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 247

27.05.2018 12:21
#13 RE: ..so war´s früher dort antworten

Ja.... manchmal singen sie noch! Unten in San Marino am Hafen wenn sie einen über den Durst getrunken haben. Der ehem. Hafenbetreiber Ivan hat auch eine schön tiefe Stimme. Hört sich echt gut an wenn sie dort so trällern.
Leider wird das immer seltener...

VG
Richie

Richie Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 247

27.05.2018 19:20
#14 RE: ..so war´s früher dort antworten

Ach so, da fällt mir gerade ein.... kannst du evtl was über die ACY Häfen erzählen die es früher gegeben hat? Jedes Jahr aufs Neue erzählt mir mein Schwiegervater davon wie toll das doch war.

VG
Richie

Luftfee Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 737

28.05.2018 08:46
#15 RE: ..so war´s früher dort antworten

Herrliche Geschichten erzählt ihr da! Wie bei einem guten Buch bin ich wirklich schon sehr gespannt, wie es weitergeht!

MikeK Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 9

13.07.2018 18:35
#16 RE: ..so war´s früher dort antworten

Moin!
Nun-ja... Ich habe halt nicht oft soo viel Zeit, (m)eine Memoiren zu schreiben, bin halt Rentner. Das ist die Spezie des
„Homo Erectus“, die „nie Zeit“ hat... Und ich kann nicht immer einfach so schreiben, denn ich muß auch in der Stimmung sein.
Ich muß im Hirn erst Platz schaffen um auf die Linie „Reiseleiter in Mitteldalmatien“ zurück zu kommen.
Aber dennoch Dank für Eure netten Worte.

Ja, schönes Stichwort weiter oben, das Lied MARIANA. Es war -und ist noch immer- mein absolutes Lieblingslied.
„Slatka, mala Mariana...“ Paßt auf viele Mädels, die ich in meiner Zeit in Jugoslawien, genauer: Kroatien, kennen lernte!
Aber ich hatte ja schon davon erzählt...
Das war nämlich das Standardlied des Kapitäns und seiner 2-Mann-Mannschaft des Motorschiffs „TURIST“, mit dem wir die Touris
(manche Reiseleiter nannten die auch: „Tärsche“ - T von Tourist und Ä von dem Plural von Arsch...) nannten. Aber das zeigte
auch die Mentalität im damaligen Jugoslawien von einigen Einheimischen. Statt sich zu freuen, Arbeit zu haben und Geld zu
verdienen, gab es immer (die gleichen) in der Umgebung, die meckerten. Mal waren es zu viele Touris, dann wieder zu wenige,
dann wurden sogar manchmal von den sogenannten „Protzern“, die mit ihrem BMW oder Mercedes nach Brela in den Urlaub fuhren,
der eine oder andere Reifen zerstochen.
Ich fand das immer sehr beschämend, wenn ein/zwei -ich sag´ mal: der Kommunisten- sich und ihr Land schlecht machten.
Aber das gab´s auch in Split. Wir mußten ja, wenn wir im Dienst waren, eine dunkelblaue Uniform tragen, die Frauen sogar mit
rotem Hütchen. Der Stoff dieser Uniform war wohl billig, weil er bei großer Sommerhitze unangenehm auf der Haut war.
So bin ich nach Split gefahren, um mir einen ähnlichen, aber fühlbar besseren Stoff zu kaufen, weil die Tante meines Freundes
Ivo eine ausgezeichnete Schneiderin war. In Split gab es an der Titova-Obala einen kleinen Stoffladen, der viele Stoffballen
in noch mehr Farben hatte.
Ich radebrechte mit meinen Anfangsworten, Händen und Füßen, daß ich einen Stoff für einen Anzug haben wollte. Einen guten Stoff,
molim! Die Verkäuferin, die auch gut und gern an der DDR Grenze Kontrolleurin hätte gewesen sein können, mit strenger Bluse,
hochgeschlossen und einem weiten, aber hüftengem Rock in undefinierbarer Farbe, was aber auch der schlechten Beleuchtung
geschuldet gewesen sein könnte, schlurfte nach Nebenan und kam mit einem Stoffballen zurück, den sie aus ihrer Schulterhöhe auf
den Verkaufstresen fallen ließ. Staub wirbelte hoch. „Nein!“, sagte ich, „das Blau ist zu hell. Ich möchte gern DUNKELBLAU!“
Daraufhin drehte sie sich wortlos um und brachte einen anderen Stoffballen, der genauso mit einem „Bummms“ auf dem Tresen landete.
„Oh-je, das ist doch SCHWARZ! Nema crne, molim samo tamno plavo...!" brachte ich stockend heraus (kein Schwarz, bitte Blau..!)
Da fauchte mich das Weib in recht gut verständlichem österreichischem Akzent sinngemäß an: „Was wollen Sie denn nun, kein Hellblau,
kein Dunkelblau – geh´n Sie doch in Deutschland einkaufen!“
Drehte sich um und verschwand.
Mein Chefreiseleiter Hans, dessen Büro nur 3-400 Meter entfernt war, dem ich die Geschichte erzählte, meinte zu mir, daß in diesem
kommunistischem Land die Uhren eben anders gingen. „Die bekommen ihren Lohn, ob da nun was verkauft wird, oder nicht, ist hier
ziemlich egal...“
Da war was dran, wie ich schnell lernte. Man spürte das z.B. auch bei den INA-Tankstellen, die ich ja ab und zu zwangsweise besuchen
mußte,um Ivos 650er Fiatchen aufzutanken, resp. ab dem 2. Jahr dann mein eigenes Auto. Hier war man als Tankkunde auch nicht besonders
wichtig..
Das änderte sich dann im 3. Jahr ein wenig, als rechts auf der Magistrale, ein paar KM hinter Split in Richtung Makarska, die erste
Autowaschanlage gebaut wurde. Ein absolutes Novum. Und hier wurde man freundlich bedient! Aber da ich´s noch nie so mit dem Auto-
waschen hatte und mein 190DC (die „kleine Heckflosse“) eh eine beige, schmutzunanfällige Farbe hatte, war ich dann doch nicht so oft da.

Ich hatte in Hannover meinen Benz gut voll gepackt, mit dem ganzen Büromaterial, was man so in 7-8 Monaten brauchte, meine Frühjahr-/
Sommer- und Herbstklamotten und fuhr dann direkt bis irgendwo nach Südtirol zum Übernachten, frühmorgens dann weiter, so daß ich am
späten Nachmittag dann in Split war. Hier trafen wir Reiseleiter uns alle beim Hans, der dort in einem Kastellkette ein Häuschen gemietet
hatte. Nein, die TUI hat solchen Luxus nie bezahlt, mir aber immerhin die Hin- und Rückfahrtskosten, weil ich auch viel Zeug der TUI
mitschleppen durfte. Wie gesagt, die Kosten nach Quittungen. Die Betriebskosten (Reifenabnutzung, Ölwechsel etc.) waren meine Sache,
aber das war mir der Luxus (m)eines Autos wert.
Eines sehr früh Morgens wurde ich im Berulia durch heftiges Klopfen an meiner Tür geweckt. Einer meiner Gäste sei tot aufgefunden worden,
hieß es. Also rein in die Klamotten und hinter MATKO hinterher, der der Hoteldirektor in jener Zeit war. Wir beide verstanden uns so gut,
daß er mir auch manchmal, wenn´s gar nicht anders ging, ein Zimmer für meine Gäste zuschanzte, welches eigentlich im Kontingent von
Yugoturs war. Denn die TUI hatte gern mal übers Kontingent gebucht, so genannte Überbuchungen gemacht. Dann standen die Leute auf der
Matte und keiner wußte, wohin damit !
Der Reiseleiter von Yugoturs, der VEDRAN, war ein ganz netter und gebildeter, wenn auch in der Körpergröße etwas zu kurz geratener,
echter Dalmatiner aus Makarska. Er war Mitglied im Gesangsverein „KLAPA SRDELLA“, was ich ja schon sagte. Er war dann wütend, wenn meine
Gäste ein Zimmer bekamen, seine aber dann in die Dependance mußten. Das war eigentlich für die Gäste OK, manchmal sogar schöner, weil
dichter am Strand. Aber die mußten auch bei Wind und Wetter von dort ins Restaurant ins Berulia laufen, weswegen es schon zu Reklamationen
kam.
Und wir liefen jetzt in Richtung der Dependance, ich glaube „MIRNA“ oder/und „MARINA“ hießen die.
Im 2. Stock waren bei gedämpfter Stimmung ein paar aufgeregte Putzfrauen und Personal aus der Küche (was immer die da auch wollten..),
der Diensthabende der Rezeption, 2 Polizisten und wir. Im fast gleichen Moment kam auch der Arzt, der weiter in Richtung Brela an der
Verbindungsstraße ein schickes, steinernes Haus mit einer kleinen Praxis hatte. Zu dem schickten wir gern durchfallerkrankte Gäste,
denn er sprach sehr gut Deutsch und meine Gäste fühlten sich schon nach einem Besuch bei dem durchaus stattlichem Manne wieder sehr viel
besser.
Der Doc war in dem kleinen Zimmer, ich stand noch draußen und haderte mit mir, ob ich mir das wirklich auch ansehen müsse. Da wurde ich
schon von MATE gerufen, wie wir den MATKO nannten. Er, der Doc und der Polizist standen neben dem Bett im kleinen Einzelzimmer und der
Polizist erzählte laut, was er sah, was der Doc für mich simultan übersetze.
Demnach hatten wir hier eine vollständig bekleidete, weibliche Leiche im Bett liegend, halb zugedeckt und die Leichenflecke im Gesicht
würden deutlich zeigen, daß der Tod vor mehr als 12 Stunden eingetreten sein müsse. Der Doc bewegte einen Arm der Toten um die Leichen-
starre zu testen und bemerkte dabei, daß unter dem weißen Bettlaken, auf dem die Frau lag, eine rotbraune Gummimatte gelegt war, was
nicht zum Standard des Berulia gehört, was auf Nachfrage auch von den Zimmermädchen vehement verneint wurde. Der Doc zog die Bettdecke
über den Kopf der Frau, wobei ich in dem Moment erst das Gesicht der Frau sehen konnte. Mittleres Alter (damals von mir auf 40 geschätzt),
gelbliche Gesichtsfarbe und fast schwarze Haare. So hab´ ich´s noch in Erinnerung.
Zurück in meinem kleinen Büro, wo ich auch immer täglich meine „Sprechstunden“ erledigte, bat ich die Rezeption um eine schnelle Telefon-
Verbindung nach Hannover zu meiner Einsatzleitung der TUI.
So eine Ferngespräch war immer zeitaufwändig! Da mußte die Rezeption „das Amt“ anrufen und eine Leitung nach Deutschland anfragen,
während man in der Hotel-Lobby saß und wartete und wartete, bis nach einer Stunde -oder 2- endlich das Telefonat ankam.
Ich berichtete kurz was/ wer/ wo und wie passiert war, man versicherte mir, daß man versuchen würde, die Angehörigen zu benachrichtigen.
Am nächsten Tag begleitete ich einen Ausflug, der schon früh nach Dubrovnik abging. Und als ich am Abend heim kam, war der ganze Spuk
schon vorbei. Man hatte die Leiche abgeholt, das Zimmer neu gestrichen (ich frage mich, warum...) ein neues Bett reingestellt und alles
gründlichst geputzt. Und die Tote war schon ins Kühlhaus nach Split gebracht worden. Sie war zwar mein Gast, aber ich kannte sie nicht.
DAS mußte ich dann in wohl 20 bis 30 Telefonaten auch immer wieder den Angehörigen sagen, die mich immer wieder und wieder mit Fragen
anriefen, was heißt, daß ich oft zur Rezeption zum Telefon gerufen wurde, meist beim Abendessen oder während der Sprechzeiten. Sogar als
ich im September wieder daheim in Deutschland war, rief da noch 2x jemand an, was aber meine Mutter freundlich, aber bestimmt, für mich
weg bügelte...

Mit meinem Mercedes 190Dc habe ich dann auch ausgiebig mein Umfeld erkundet, als ich dann im 3.Jahr in dem mir neu zugewiesenen Hotel
JADRAN in TUCEPI eingezogen war. Der Hoteldirektor, den wir „Papo Nandi“ nannten, war augenscheinlich eine sehr geachtete, sehr geschätzte
Persönlichkeit. Er sprach immer in ruhigem, leisen Ton und man erkannte nur manchmal an der Schärfe seiner Stimme, daß er irgendwie sauer
war. Er hatte eine große, dickliche Nase mit sichtbaren, grauen Poren und schwarzen Haaren, die aus den Nasenlöchern lugten, dunkle Augen
und sah so aus, wie der eine Jude in unserer Nachbarschaft daheim. Auch trug er einen dicken Goldring mit einem Einkaräter an der linken
Hand.
Anfangs war ich eher zurückhaltend, seine Art, seine Aura hatte mich etwas eingeschüchtert. Dann aber zeigte er mir ein paar Tage später
mein Büro! Ein Glaskastenhäuschen auf der Terrasse zwischen Hotel und dem offenen Meer, mit einem großen modernen Schreibtisch und - einem
Telefon. Hier hatte ich gut Platz, alles Büromaterial zu lagern, Prospekte der Ausflüge auszulegen und meine INFOTAFEL, die gegenüber der
Rezeption an die Wand gehängt wurde, zu erstellen. Je ein Ausflug wurde dort so gut wie möglich in einem Hochkant-DIN-A-4-Blatt beschrieben,
davon 2 Reihen mit je 5 Ausflügen auf der Tafel befestigt und ganz links ein halbes DIN-A-4-Blatt mit der Info und einem Passbild von mir
und meine Sprechstunden. Und dem wichtigen Termin des Informations-Cocktails, wann und wo der statt findet. Das war jeden Samstag um 9:30Uhr
und dauerte immer so eine Stunde. Denn Freitags hatten wir Transfertag, wo wir die heimreisenden Gäste zum Airport SPU brachten und die
neuen von dort in die Hotels schickten. Das alles mit älteren Mercedes-Reisebussen. Hier lernte ich auch einige sehr nette Fahrer kennen
und konnte/mußte meine Sprachkenntnisse erweitern.
Wir Reiseleiter standen vor oder neben dem Bus und wiesen den kommenden Gästen die Busse zu. Der eine ging nach Pimosten, der andere nach
Tučepi, ein weiterer runter zum Hafen zu den Transferschiffen, die nach Jelsa, Stari Grad oder Vrboska schipperten. Oder auch zum Tragflügel-
boot nach Hvar.
Wenn der Bus voll war, sind wir Reiseleiter in den Bus gestiegen, nahmen das Mikrofon und riefen die Gäste auf, die wir auf unseren Listen
von der TUI übermittelt bekommen hatten. Diese kamen immer in silbernen Blechkoffer an, die mit dem Gepäck, welches aus dem Fliegern
ausgeladen wurde, ankamen und darin war dann unser Büromaterial - und eben diese Buchungslisten. Auf grün-liniertem Papier mit immer schlecht
lesbaren Maschinen-Druckbuchstaben.
Also begrüßten wie die Neuen, gern auch mal mit einem kleinen Scherz auf den Lippen, denn im Bus auf einer Betonpiste bei 40 Grad C rumstehen
zu müssen, war nicht das Gelbe vom Ei! Auch, wenn der Bus seine Klimaanlage auf Stufe 3 laufen ließ. Und, da bin ich ja ehrlich, bei mir war
das so, daß ich immer erst die Doppelzimmer aufrief: „Familie Müller, Herr und Frau Meier, Familie Schmidt...?“ Und eigentlich immer kam dann
von hinten aus dem Bus ein „JA!“ oder „HIER!“ Kam mal keine Antwort, fragte ich auch schon mal, um einen Lacher zu erzielen: „Will da keiner
mal HIER sagen?“ und machte mir eine Notiz auf die Liste.
Dann kamen die Einzelzimmer: „Herr Berger?“ „JA!“ „Frau Hoffmann?“.. Ich konnte auf der Liste das Alter der Person sehen und bei denen über
30 wartete ich immer nur auf das Echo aus dem Bus.
Aber die unter 25 waren da schon interessanter: „F r ä u l e i n Hauff...?“ Und ich ging schon mal etwas weiter in den Bus, um besser sehen
zu können. Nun, manche Damen bekamen dann ein X hinter dem Namen. Die meisten aber nur das Häkchen. Und die mit dem X hatten (irgendwie)
mein Interesse erregt...
Manchmal wollten die Busfahrer losfahren, wenn im Bus kein Platz mehr frei war, und rollten langsam an. Das aber gefiel Hans nie ! Er wollte,
weil er ja der Chefreiseleiter war, bestimmen, wann jemand losfahren könne und wann nicht. Also rief er dann laut und auf dem ganzen
Flughafenvorplatz vernehmlich: „ČEKAJ !!“ oder „ČEKATI !!“ Dann ging er zum entsprechenden Kollegen/Kollegin, fragte, ob alles so weit OK
sei und mit einer großzügigen Geste seiner rechten Hand erlaubte er dann die Abfahrt.

Unsere Agentur in Split war die Firma „DALMATIJA TURIST“. Die waren für die pünktliche und exakte Anzahl der Busse verantwortlich, die mußten
sehen, daß die Transfer-Schiffe pünktlich da waren – und überhaupt, die waren unsere Rechte Hand und Veranstalter unserer Ausflüge.
Jetzt hatten die einen Mann dieser Firma, der war für die Schiffstransfers verantwortlich. Der Čičo. Er hatte immer ein Funkgerät in der Hand,
mit dem er Kontakt zu den Kapitänen der Transferschiffe hielt. Und Hans hatte eines am Flughafen, um mit Čičo Kontakt zu halten. Aber das war
seinerzeit noch gar nicht so einfach, ich träume heute noch davon, wenn Hans manchmal eine halbe Stunde lang den Čičo rief, um zu hören, wann
denn nun welches Schiff im Hafen ankäme: „Čičo, Čičo !!! Jjavi se!!“ Um dann 20 Sekunden später: „Čičo, Čičo !!! Jjavi se!!“ zu rufen. Aber
oft meldete sich „Čičo, Čičo!!“ eben nicht. Dann saß er nämlich in einer kleinen Kneipe am Hafen, wie ich später mal fest sah, trank seinen
„Kava sa slagum“ (oder gern auch mit einem Conjäckchen)und plauderte stundenlang mit seinen Freunden.
Und ließ den Lieben Gott einen guten Mann sein...

Fortsetzung folgt...
Dank für Euer Interesse - und habt einen schönen Urlaub!

Vidimo se drugi put...

Chris Offline

Moderatorin im Kroatien-Forum


Beiträge: 24.981

13.07.2018 19:40
#17 RE: ..so war´s früher dort antworten

Zitat von MikeK im Beitrag #16

Nun-ja... Ich habe halt nicht oft soo viel Zeit, (m)eine Memoiren zu schreiben, bin halt Rentner. Das ist die Spezie des
„Homo Erectus“, die „nie Zeit“ hat... Und ich kann nicht immer einfach so schreiben, denn ich muß auch in der Stimmung sein.



Wunderbar erzählt wieder!!!! Ach ja, die Rentner , aber es ist ok so, bleibt zumindest eine gewisse Spannung und weiteres Interesse lebendig!

Kirsten Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 1.776

13.07.2018 21:51
#18 RE: ..so war´s früher dort antworten

Ich les das auch gerne.

madoline12 Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 1.615

13.07.2018 22:10
#19 RE: ..so war´s früher dort antworten

toll erzählt
@MikeK
bitte nicht so große Abstände zwischen den Gechichten

LG
mad-o-line

AlexandraB. Offline

Mitglied im Kroatien-Forum


Beiträge: 91

14.07.2018 07:37
#20 RE: ..so war´s früher dort antworten

Auch ein Danke von mir! weiter so :-)

lg Alexandra

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