Einige Skipper von euch werden möglicherweise dieses Phänomen in der Adria vor Kroatien bereits schon mal selbst gesehen haben. Auf Google Earth und spezialisierten Satellitenbildern erkennt man perfekt kreisförmige Stellen im Meer, an denen absolut nichts wächst – kein Seegras (Posidonia oceanica), nichts. Die Kreise haben oft einen Durchmesser von etwa 50 Metern und liegen in fast exakt gleichen Abständen zueinander. Die Kreise auf dem Meeresboden vor der kroatischen Küste sind vor allem in der Region der Inseln Vis, Biševo, Unije und im Bereich der Kornaten zu sehen.
Die Theorien und Mythen Es werden verschiedene Theorien diskutiert. • Aliens/UFOs: Wegen der geometrischen Präzision glaubten manche an "Unterwasser-Kornkreise". • Militärische Tests: Vermutungen über Unterwasserexperimente aus der Zeit Jugoslawiens (da Vis eine Militärbasis war). • Methangas: Austritte aus dem Meeresboden, die das Pflanzenwachstum verhindern.
Die wahrscheinlichste wissenschaftliche Erklärung Meeresbiologen des Vereins Sunce (Split) haben das Phänomen untersucht. Die aktuelle wissenschaftliche Meinung ist zwar immer noch vorsichtig, aber es gibt zwei Favoriten. • Illegale Dynamitfischerei: Dies ist die am weitesten verbreitete Theorie. Fischer haben früher (und teils leider noch heute) Dynamit ins Wasser geworfen. Die Druckwelle tötet nicht nur die Fische, sondern zerstört auch die Wurzeln des Posidonia-Seegrases in einem exakten Kreis. Da dieses Seegras extrem langsam wächst (nur wenige Zentimeter pro Jahr), bleiben diese "Narben" auf dem Meeresboden über Jahrzehnte hinweg sichtbar. • Geoseismische Untersuchungen: In den 1960er und 70er Jahren suchte man in der Adria nach Öl und Gas. Dabei wurden kleine Sprengladungen gezündet, um die Echos der Schallwellen zu messen. Auch dies würde die präzisen Abstände und die kreisrunde Form erklären.
Ich persönlich tendiere zu den geoseismischen Untersuchungen, denn warum sollte bei der Dynamitfischerei der Abstand immer ungefähr gleich sein?
Warum ist das für Skipper interessant? • Ankerverbot: Posidonia-Wiesen sind die "Lungen des Mittelmeers". Diese Gebiete sind streng geschützt. Wenn Skipper in diesen Kreisen ankern, zerstören sie die letzten Überreste der Vegetation. Bitte meidet es, daher in diesen Gebieten zu ankern, um die Ränder der verbliebenen Graswiesen nicht weiter zu beschädigen! • Sichtbarkeit: Die Kreise sind so markant, dass sie Skippern oft zur Orientierung dienen.
Fazit Was aus dem All wie Alien-Spuren aussieht, sind leider die ökologischen Narben menschlichen Handelns – wahrscheinlich Sprengungen für die Fischerei oder Ölsuch-Tests aus dem letzten Jahrhundert. Ein beeindruckendes Mahnmal dafür, wie empfindlich das Ökosystem der Adria ist.
Hinweise für alle, die sich diese „Unterwasser-Kornkreise“ selbst ansehen möchten: Besonders markant sind diese Kreise an der Westküste der Insel Dugi Otok sowie bei den Inseln Unije und Srakane.
Dugi Otok (nahe Sali): Koordinaten: 43.9056, 15.1278 Hier sieht man eine ganze Kette von perfekten Kreisen, die sich fast wie eine Perlenschnur entlang der Küste ziehen. Sie haben einen Durchmesser von etwa 50 Metern.
Insel Unije (Westseite): Koordinaten: 44.6295, 14.2325 An der unbewohnten Westküste von Unije sind die „Narben“ im Seegras besonders deutlich auf dem hellen Sandboden zu erkennen.
Insel Srakane (zwischen Unije und Lošinj): Koordinaten: 44.5775, 14.3120 Auch hier gibt es diese mysteriösen Leerstellen, die in regelmäßigen Abständen angeordnet sind.
Wer zu Hause nachschauen möchte, kann das mit Google Earth Pro tun. Einfach Koordinaten eingeben.
Hallo Thomas, die derzeit am besten belegte wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen ist ziemlich unspektakulär: Es handelt sich um natürliche Muster in Seegraswiesen (im Mittelmeer vor allem bei Posidonia oceanica). Die Pflanzen breiten sich klonal nach außen aus, während ältere Bereiche im Zentrum absterben (u. a. durch Sauerstoffmangel im Sediment). Dadurch entstehen mit der Zeit kreisförmige, vegetationsfreie Lücken. Die relativ gleichmäßigen Abstände ergeben sich durch Selbstorganisation. Vereinfacht gesagt konkurrieren die Pflanzen um Ressourcen und "halten Abstand". Strömungen und Sedimentbewegung können diese Strukturen zusätzlich stabilisieren.
Solche Muster findet man übrigens nicht nur dort, sondern auch in anderen Seegrasgebieten weltweit. Und es gibt sie sogar an Land, etwa als sogenannte "Fairy Circles" in Trockengebieten.
Kurz gesagt: Das ist kein Mysterium, sondern ein gut bekanntes ökologisches Muster.
Klingt logisch. Ich frage mich nur, warum sind die Meeresbiologen des Vereins Sunce (Split) nicht darauf gekommen?
Das macht mich jetzt richtig neugierig auf die Fernsehsendung. Mal sehen, ob ich es am Samstag, den 2.5.2026 um 17:10 Uhr schaffe n-tv einzuschalten.
Die KI sagt zum Thema: „Es gibt zwei Lager: Die Anthropogene Theorie (Sunce), die sagt, wir sehen hier die Narben von Ölsuchen aus den 60ern. Und die Biologische Theorie, die sagt, das Seegras erschafft diese Geometrie durch natürliche Wachstumsmuster selbst. Das 'Mysterium' ist also eigentlich ein spannender wissenschaftlicher Streit darüber, wie viel Einfluss der Mensch auf den Meeresboden hat.“
Zitat von Thofroe im Beitrag #3Klingt logisch. Ich frage mich nur, warum sind die Meeresbiologen des Vereins Sunce (Split) nicht darauf gekommen?
Hallo Thomas,
Sunce ist eine Naturschutz-NGO und kein klassisches Forschungsinstitut. Sie arbeiten viel in Kartierung und Monitoring, oft mit Fokus auf menschliche Einflüsse. Ich bin da natürlich kein Experte, aber nach dem, was ich über Posidonia oceanica und deren Selbstorganisationsprozesse weiß, erscheint mir die natürliche Erklärung deutlich plausibler. Dafür gibt es auch international recht konsistente Belege.
Ich habe aus Neugier auch mal zu den Öl-/Gasaktivitäten recherchiert: Seismische Messungen und Bohrungen in der Adria seit den 60/70ern sind tatsächlich gut belegt. Allerdings verlaufen solche Messungen typischerweise entlang von Linien und nicht als großflächig gleichmäßig verteilte Kreise. Das passt aus meiner Sicht nicht wirklich gut zu den beschriebenen Mustern - zumindest nicht als alleinige Erklärung.
Die Sendung habe ich leider verpasst. Am Samstag hing ich in Berlin fest, weil ich ein Fahrad abholen wollte. Erst hieß es, es kann ich 2 Stunden abgeholt werden. Als ich nach 3,5 Stunden da war, war es leider immer noch nicht fertig und ich musste noch mal eine Stunde warten. Daher kann ich leider nichts zum Thema beisteuern, was in der NTV-Sendung zu den Kreisen gesagt wurde.
Zitat von Thofroe im Beitrag #5Die Sendung habe ich leider verpasst. (…) Daher kann ich leider nichts zum Thema beisteuern, was in der NTV-Sendung zu den Kreisen gesagt wurde.
ich habe mir den Beitrag inzwischen angesehen - zumindest den Teil, der die Seegraswiesen in Kroatien betrifft (trotz der gefühlt endlosen Werbeunterbrechungen). Es werden erst die Bilder der Kreise gezeigt und dann verschiedene spektakuläre Erklärungen in den Raum gestellt (Kugelfische, Sprengungen, militärische Hintergründe), von denen man mit etwas Hintergrundwissen ziemlich schnell sagen kann, dass sie als Hauptursache kaum plausibel sind. Diese möglichen Erklärungen werden dann auch noch ausführlich mit historischen Details gestreckt.
Was mich wirklich gestört hat, waren solche Formulierungen wie „Todeszonen“. Nur weil man keine sichtbare Vegetation sieht, heißt das ja noch lange nicht, dass im Sediment kein Leben vorhanden ist - das ist fachlich einfach Unsinn. Am Ende bleibt das Ganze dann bewusst offen und wechselt zum nächsten „mysteriösen“ Thema, ohne die am besten belegte Erklärung überhaupt anzusprechen: natürliche Musterbildung in Seegraswiesen.
Vielleicht erfolgt die Auflösung ja ganz am Schluss, nachdem noch über andere Phänomene berichtet wurde - so weit habe ich mir den Beitrag allerdings nicht mehr angesehen, weil mich der Stil dann doch zu sehr genervt hat.
Ganz ehrlich: Das ist klassisches „Doku-Entertainment“. Kurz gesagt: unterhaltsam vielleicht, aber wissenschaftlich extrem dünn und sehr reißerisch.
Mir ging es beim Anschauen der Sendung ähnlich. Die Werbung war nervig. Gefühlt war die Werbung genauso lang wie die Sendung selbst. Daher habe ich mir nur den Kroatien-Teil angeschaut. Etwas albern fand ich die Kugelfische, die möglicherweise die Ursache sein könnten, weil sie beim Brutverhalten den Meeresboden frei räumen. Aber 50 Meter Durchmesser? Dann kam der Clou, eine Kugelfischpopulation gibt es im betreffenden Meeresgebiet gar nicht.
Mein persönliches Fazit: Wer an einer ernsthaften Erklärung für die vegetationsfreien Kreise am Meeresgrund interessiert ist, braucht sich diese Sendung nicht anschauen.
hier zwei gute wissenschaftliche Studien, die genau dieses Phänomen sehr sauber beschreiben:
"Fairy circle landscapes under the sea" (Science Advances, 2017) "Self-organized sulfide-driven traveling pulses…" (PNAS, 2023)
Beide Arbeiten zeigen sehr überzeugend, wie diese sogenannten "seagrass fairy circles" in Seegraswiesen (insbesondere bei Posidonia oceanica) durch das Zusammenspiel von Wachstum, Konkurrenz und Sedimentchemie enstehen. Science Advances und PNAS sind sehr renommierte Fachjournale, die ich aus meiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit gut kenne. Die Studien sind methodisch sauber und in der Community breit anerkannt. Vor diesem Hintergrund gibt es aus meiner Sicht eigentlich keinen ernsthaften Zweifel daran, dass die kreisförmigen Lücken primär auf natürliche Prozesse zurückgehen.
Ich hänge eine der beiden Publikationen hier an, falls jemand Interesse hat, das im Detail nachzulesen. Die PNAS-Studie ist leider zu groß.
Zitat von HFroehlich im Beitrag #8ich habe mir den Beitrag inzwischen angesehen - zumindest den Teil, der die Seegraswiesen in Kroatien betrifft (trotz der gefühlt endlosen Werbeunterbrechungen).
Respekt - ich hatte keine zwei Minuten durchgehalten.
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